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Alle Kategorien > Familie & Erziehung > Scheidung / Sorgerecht / Beratung > Leidet unsere Tochter an "innerer Zerissenheit"?
Autor: Maxi
Erstellt: 14.06.2008 - 14 22 Uhr
Betreff: Leidet unsere Tochter an "innerer Zerissenheit"?
Die Tochter meines Mannes und mir ist 13 Jahre alt. Vor 6 Jahren habe ich mich von meinem damaligen Mann scheiden lassen und seitdem leben wir auch getrennt. Da wir aber nicht wollten, dass unserer Tochter ein Elternteil vorenthalten bleiben sollte, konnte sie seitdem frei hin und her wechseln. Natürlich mit der kleinen Einschränkung, dass sich die Aufenthaltsdauer beim jeweiligen Vormund ca. gleich ausfallen sollte...

Bis jetzt war die Lösung überhaupt kein Problem. Zumindest in meinen Augen. Aber vor allem im letzten viertel Jahr hat sie sich sehr geändert. Sie spricht nicht mehr mit mir über alles und wirkt auch sonst sehr verschlossen.

Liegt das vielleicht daran, dass sie mir die Trennung mit ihrem Vater übelnimmt? Oder dieser mich sogar schlecht macht? Ich würde sie ja gerne selber fragen, aber die Antworten kann ich mir dann schon denken.
Autor: Andrea
Erstellt: 14.06.2008 - 15 19 Uhr
Betreff: re: Leidet unsere Tochter an "innerer Zerissenheit"?
Hi Maxi,

so wie sich das anhört, steckt deine Tochter eher mitten in der Pubertät, als das sie Probleme mit den häuslichen und familiären Umständen hätte.
Wenn ich Recht habe, dann kann man dagegen leider nichts machen. Es ist doch aber auch klar, dass dir deine Tochter nicht mehr alles erzählt. Schließlich wird sie auch erwachsen und hat ihre Geheimnisse. Das war bei uns doch auch so.

Hast du denn schon mit ihrem Vater gesprochen? Wie schätzt er denn die Situation ein?
Autor: Nina
Erstellt: 14.06.2008 - 19 49 Uhr
Betreff: re: Leidet unsere Tochter an "innerer Zerissenheit"?
Ich würde auch sagen, dass du dich mal mit deinem Ex-Mann zusammen setzt. Und in einem 2. Gespräch solltet ihr dann vielleicht eure Tochter hinzuziehen.
In welchem Maße ist denn deine Tochter verschlossen? Kommt sie nicht mehr aus ihrem Zimmer raus? Spricht sie überhaupt nicht mehr mit dir? Hat sich irgendwas an ihrem Äußeren geändert? Hat sich ihr Freundeskreis verschlechtert?

Gruß Nina
Autor: Maxi
Erstellt: 14.06.2008 - 21 15 Uhr
Betreff: re: re: Leidet unsere Tochter an "innerer Zerissenheit"?
Natürlich habe ich auch schon in Betracht gezogen, dass die Veränderungen, die sie durchmacht, mit der Pubertät zusammen hänngen und mit großer Sicherheit wird es auch dadurch unterstützt. Aber ich kann einfach nicht glauben, dass es nur mit der Pubertät zusammenhängt.
Ihr Äußeres hat sich nicht sehr stark geändert. Halt die üblichen Veränderungen, die sie auf ihren Weg zur Frau durchmacht, aber sonst nichts. Und das Problem ist nicht, dass sie nicht mehr aus ihrem Zimmer rauskommt, sondern das sie gar nicht mehr da ist. Zumindest nicht zu Zeiten, wo ich auch zuhause bin und nicht schlafe. Ob sich ihr Freundeskreis geändert hat, kann ich nicht sagen. Es war noch nie so, dass sie ihre Leute mit nach Hause gebracht hat. Und sie spricht auch noch mit mir (wenn wir uns überhaupt noch sehen). Aber früher sind die Gespräche auch mal in die Tiefe gegangen. Da haben wir uns halt über alles mögliche unterhalten können.

Ich möchte eben nur nicht, dass meine Tochter mich hasst. Vielleicht habe ich ja auch Fehler gemacht, die ich selber immer noch nicht erkennen konnte...
Autor: Andrea
Erstellt: 15.06.2008 - 09 08 Uhr
Betreff: re: Leidet unsere Tochter an "innerer Zerissenheit"?
Ich habe da etwas hilfreiches gefunden. Es stammt von Hans-Otto Buschel, Familienrichter am Amtsgericht in Bad Salzungen). Es handelt sich dabei um 20 Bitten von Kindern, deren Eltern getrennt leben:

Vergesst nie, dass ich das Kind von euch beiden bin!
(Zwar habe ich einen Elternteil, bei dem ich dauerhaft wohne und der auch hauptsächlich für mich sorgt, aber den anderen brauche ich genauso.)

Ich habe euch beide gleich lieb.
(Fragt mich also nict, wen ich lieber habe und redet den anderen in meiner Anwesenheit nicht schlecht. Das tut mir weh.)

Helft mir, den Kontakt zum anderen Elternteil aufrechtzuerhalten.
(Wählt die Telefonnummer oder schreibt für mich eine E-Mail oder Brief. Helft mir, zu seinem Geburtstag oder zu Weihnachten ein Geschenk zu kaufen oder zu basteln. Und gebt den anderen auch ein Foto, wenn von mir welche gemacht werden.)

Redet miteinander!
(Diskutiert wie normale Menschen und lasst mich nicht den Boten für euch beide spielen, der den anderen schlechte Nachrichten übermitteln muss.)

Seid nicht wütend oder traurig, wenn ich zum anderen gehe.
(Der Elternteil, von dem ich weggehe, soll auch nicht denken, dass es mir bei dem anderen die kommenden Tage schlecht gehen wird. Ich würde auch am liebsten bei beiden sein. Aber das geht ja leider nicht mehr...)

Plant keine Dinge, die in den Zeitraum fallen, den ich beim anderen Elternteil verbringe.
(Sowohl meiner Mutter, als auch meinem Vater gehört ein Teil meiner Zeit.)

Seid nicht wütend oder enttäuscht, wenn ich beim anderen bin und mich nicht melde.
(Ich bin an 2 Orten daheim. Und die muss ich gut auseinander halten. Sonst verliere ich in meinem Leben den Überblick.)

Gebt mich nicht vor der Haustür des anderen ab, als sei ich ein Paket.
(Diese Zeitpunkte sind die einzigen für mich, an denen ich euch beide habe. Zerstört diese bitte nicht mit übertriebener Eile.)

Ansonsten könnt ihr mich auch an der Schule oder bei Freunden abholen lassen, wenn ihr den Anblick des anderen nicht ertragen könnt.


Streitet euch nicht in meinem Beisein.
(Benehmt euch wie normale Menschen und begegnet dem anderen mit Höflichkeit und Respekt. Schließlich verlangt man das auch von mir.)

Erzählt mir keine Dinge, die ich nicht verstehen kann.
(Darüber könnt ihr auch mit anderen Erwachsenen sprechen. Aber bitte nicht mit mir.)

Einigt euch bitte um das Geld.
(Ich finde es nicht gut, wenn der eine wenig, während der andere ganz viel Geld besitzt. Ich möchte, dass es euch beiden gut geht und ich es auch bei beiden gleich gemütlich habe.)

Versucht es nicht, mich mit Süßigkeiten oder Geschenken zu kaufen.
(So viel Geld habt ihr gar, weil ich euch beide viel zu sehr lieb habe.)

Sagt mir offen und ehrlich, wenn das Geld mal nicht reicht.
(Mir ist die gemeinsame Zeit viel mehr wert, als teures Spielzeug. Und ich habe auch nichts dagegen, wenn wir mal zuhause bleiben und dort spielen.)

Übertreibt es nicht, was die Gestaltung meiner Freizeit angeht.
(Es muss nicht immer etwas Bahnbrechendes oder Neues sein, wenn wir was unternehmen. Gemütliche Wanderausflüge oder Fahrradtouren finde ich mindestens genauso schön.)

Ändert nicht so viel in meinem Leben.
(Es soll halbwegs so verlaufen, wie vor eurer Trennung. Das fängt im Kinderzimmer an und hört bei solchen Dingen auf, die ich alleine mit dem jeweiligen Elternteil unternommen habe.)

Seid nett zu euren Schwiegereltern.
(Zwar haben sie bei der Trennung zu ihrem Kind gehalten, aber ihr würdet schließlich das Gleiche für mich tun. Ich möchte deswegen nicht auch noch meine Großeltern verlieren.)

Seid freundlich und verhaltet euch fair gegenüber dem neuen Partner, mit dem der andere zusammenkommt oder bereits zusammen ist.
(Mit dieser Person muss ich schließlich ebenfalls klarkommen. Es wäre leichter für mich, wenn keine Eifersüchteleien von der einen oder anderen Seite auftreten. Am besten für mich ist es, wenn ihr schnell wieder jemanden zum Liebhaben findet. Das lenkt euch dann bestimmt von der Wut, die ihr dem anderen gegenüber empfindet, ab.)

Denkt optimistisch.
(Eure Beziehung ist zwar in die Brüche gegangen, aber die Zeit danach kann ja dann nur besser werden.)

Hört mich an.
(Lasst mich meine Bitten vortragen. Aber benutzt sie nicht, um dem anderen vorzuhalten, welche Fehler er bei mir macht. Denn dann habt ihr Sinn und Zweck der ganzen Übung nicht verstanden.)


Jetzt habe ich erstmal genug geschrieben...
Autor: Kim88
Erstellt: 08.12.2008 - 17 28 Uhr
Betreff: re: Leidet unsere Tochter an "innerer Zerissenheit"?
Besser hätte man es gar nicht formulieren können!!!!
Autor: Anna1
Erstellt: 09.12.2008 - 10 42 Uhr
Betreff: re: Leidet unsere Tochter an "innerer Zerissenheit"?
Dsa ist echt super formuliert. Stimmt Kim zu, besser hätte man es wirklich nicht ausdrücken können.
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