Die Freinet-Pädagogik

Geschichtliches

Die Freinet-Pädagogik wurde 1920 in Südfrankreich von Celestin Freinet in Zusammenarbeit mit seiner Frau Elise Freinet entwickelt. Freinet war Dorfschullehrer und seine Ideen sollten die bestehenden pädagogischen Inhalte reformieren.

Grundlagen

Heute gibt es neben dem Freinet Kindergarten auch Freinet Schulen, die den sozialpädagogischen Ansatz von Celestin Freinet leben und lehren. Celestin Freinet wollte die staatlichen Einrichtungen für Vorschulkinder und Schüler von innen heraus verändern und damit einen Wandel beim Einzelnen und dem Volk herbeiführen. Er war Befürworter der sozialistischen Gesellschaft. Dabei lag der Fokus immer auf der Selbstbestimmtheit der Kinder und dem eigenständigen Handeln und Agieren der jungen Menschen. Im Mittelpunkt jeglicher Betreuung  sollte stets das Kind stehen. Für seine pädagogische Bewegung entwickelte Freinet eigene Spiel- und Lern-Materialien, die es den Kindern ermöglichen sollten sich ganz im Sinne der Freinet-Lehre zu entfalten.



Die Praxis in Schule und Kindergarten

Unter Freinet gibt es keinerlei frontale Ansprache durch Erzieher oder Lehrer. Stattdessen treffen die Kinder ganz selbstbestimmt alle Entscheidungen. Die Kindergruppe wird als sogenannte Genossenschaft oder Kooperative geführt und die Kinder entscheiden weitgehend selbst, was sie spielen oder lernen möchten und was nicht. Im schulischen Umfeld legen sie selber fest, mit wem sie arbeiten möchten, wie lange sie dafür brauchen und wann sie ihre Ergebnisse der Klassengemeinschaft vorlegen.

Das Angebot für die Kinder wird in verschiedene Bereiche unterteilt; so gibt es

  • themenorientierte Arbeitsbereiche
  • Materialecken
  • Ateliers

Schuldruckerei

Die von Freinet entwickelte Schuldruckerei aus Bleilettern spielt noch heute eine wichtige Rolle. Hier sollen die Schüler eigene Texte oder Bücher drucken oder eine Schülerzeitung vervielfältigen. In gemeinsamer Korrespondenz mit anderen Klassen können so Arbeiten oder Zeitungen ausgetauscht werden und wichtige Impulse entstehen. Freinet lag viel daran, dass gedruckte Wort zu entmystifizieren.

Die Freinet Lehre im Kindergarten

Die Freinet-Lehre wird bewusst seit 1979 in Kindergärten und Kitas praktiziert. Die Theorien von Freinet für die Schulen wurden in Kooperation von Pädagogen auf Kindergärten angewandt. So finden sich auch hier

  • Töpfereien
  • Holzwerkstätten
  • Handarbeitsräume
  • Technikateliers
  • Forschungsräume

Hier erleben sich die Vorschulkinder als kompetente Persönlichkeiten, die auftretende Schwierigkeiten bei der Bearbeitung selber meistern können. In tastenden Versuchen wird bei Musik gearbeitet, gewerkelt und geredet – so lange, wie die Kinder möchten. Es zählt dabei weniger das Ergebnis als die eigentliche Tätigkeit.

Kinderkonferenzen

So wird die Selbstbestimmtheit  in sogenannten Kinderkonferenzen von den Kleinen erfahren und gelebt und die Kinder dürfen auch schon über Erwachsenenthemen, wie z.B. den Einsatz von Geld und Fördermitteln mitbestimmen. Gleichzeitig dürfen sie mitentscheiden, welche Möbel sie gerne haben möchten und welche Zahnpasta gekauft werden soll. Freiraum spielt hier eine große Rolle. Tanzen, lachen, die Treppe herunterrutschen und wild sein – im Freinet Kindergarten ist das alles erlaubt. Bei den Kindergärtnerinnen wird Wert darauf gelegt, dass sie die Kinder reden lassen, wie sie möchten und nicht regulativ eingreifen. Wichtig ist für die Freinet-Anhänger, dass sich die Pädagogen auf die Welt der Kinder einlassen und nicht erwarten, dass die Kinder in die Erwachsenenwelt eintauchen.

Grundsätze der Freinet Pädagogik

Freinet hat vier Grundsätze entwickelt:

  • die freie Entfaltung der Persönlichkeit
  • die kritische Auseinandersetzung mit der Umwelt
  • die Selbstverantwortung des Kindes
  • die gegenseitige Verantwortlichkeit

Diese Grundsätze können nur gelebt werden, wenn die Kindergruppe aus einer Kooperative besteht und sich selbst verwaltet. Die freie Entfaltung der Persönlichkeit wird durch das gemeinsame Musizieren, Schreiben und Malen gefördert. Lesen und Schreiben wird durch die Druckerei vereinfacht und bei allen Tätigkeiten soll ein reger Austausch unter den Kindern stattfinden –  sowohl in der Schule als auch im Kindergartem. Auch Tanz, Theater und die Gestaltung von Plastiken gehören unter Freinet zu den Methoden, die die freie Entfaltung der Kinder gewährleisten. Die kritische Auseinandersetzung mit der Umwelt wird durch die Exkursionen und Experimente erreicht. Dabei geht der Pädagoge vor allem auf die individuellen Besonderheiten, Interessen und Merkmale der Kinder ein. Die Realität wird in der Natur oder im Versuch erfahren und Theorie und Praxis sollen eine Einheit bilden. In der Schule dient die Klassenzeitung dazu, sich kritisch mit Gegebenheiten auseinander zu setzen und das Gelernte anderen zu präsentieren.

Die Zusammenarbeit und gegenseitige Verantwortlichkeit findet vor allem durch die Kinderkonferenzen im Kindergarten oder den Klassenrat in der Schule statt. Die Kinder lernen so ein demokratisches Miteinander und das Aufstellen und Einhalten von Regeln.