Lew Semjonowitsch Wygotski

Der Russe Lew Semjonowitsch Wygotski starb 1934 mit nur 38 Jahren und galt doch als einer der einflussreichsten Psychologen seiner Zeit. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit lag in der Auseinandersetzung mit pädagogischen Fragestellungen. Insbesondere widmete sich der Wissenschaftler der Förderung der kognitiven Entwicklung von Kleinkindern, die laut Wygotski entscheidend durch den Erzieher und die Rolle des Erziehers geprägt wird. Als Fachkräfte vermitteln sie dem Kind kulturell geprägte Kenntnisse und Denkweisen. Dadurch werden die kindlichen Denkprozesse und Persönlichkeitscharakteristika geprägt. Wygotski war der Ansicht, dass nahezu alle psychischen Strukturen auf diese sozialen Phänomene zurückgehen.



„Zone der nächsten Entwicklung“

In diesem Zusammenhang prägte er den Begriff der „Zone der nächsten Entwicklung“ und kritisierte mithin, dass Erzieher zumeist nur den Ist-Zustand eines Kindes erfassen, ohne daraus Rückschlüsse für die Zukunft zu ziehen. Somit käme die individuelle Weiterentwicklung durch gezielte Förderung zu kurz. Zu den Aufgaben des Erziehers zählte es Wygotski, den Entwicklungsstand eines Kindes zu erfassen und auszuwerten. Dahingehend, dass das einzelne Kind in bestimmten Bereichen, beispielsweise denen, die ihm oder ihr besonders, liegen, aktiv seitens der Erzieher gefördert wird. Diesen vorausschauenden Ansatz von der Zone der nächsten Entwicklung erachtete Wygotski als Basis für die gezielte Steigerung des realen geistigen Entwicklungsniveaus. Heutzutage findet man diesen Ansatz zur Förderung der kognitiven Entwicklung von Kleinkindern vor allem in den USA. Viele Einrichtungen teilen die Überzeugung, dass Erzieher die kindliche Entwicklung entscheidend beeinflussen können.