Die Waldorfpädagogik

Wie jede andere pädagogische Ausrichtung hat auch die Waldorf Pädagogik ihre eigenen Grundlagen und Ziele. Geprägt durch ein Menschenbild, das sich in Leib, Seele und Geist untergliedert, der so genannten Dreiheit des Menschen, laufen die erzieherischen Prozesse ab. In unserer Gesellschaft hat die Waldorf Pädagogik häufig mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass es sich um eine Form der antiautoritären Erziehung oder um Laissez-Faire handle. Wer jedoch schon einmal in einem Waldorfkindergarten oder in einer Waldorfschule war, der merkt schnell, dass dies nicht zutrifft. Sicherlich haben die Kinder im Waldorf Kindergarten mehr Freiheiten als in manchen anderen Einrichtungen, so gibt es doch einen Pädagogen und Erzieher, der die Kinder lenkt und sie aktiv fördert, ihre eigene Individualität zu entdecken und auszuleben. Dabei variiert das Programm oder der Lehrplan von Einrichtung zu Einrichtung, da jedem Waldorf Pädagogen überlassen bleibt, wie er den Alltag mit den Kindern gestaltet.



Rudolf Steiner

Zurück geht die heutige Form der Waldorfpädagogik auf Rudolf Steiner, einen studierten Natur- und Geisteswissenschaftler, der sich Anfang des 20. Jahrhundert sehr praxisbezogen mit der Erziehung von Kindern auseinander setzte. Im Zuge seiner Erfahrungen und Studien entstand der Anthroposophische Ansatz Steiners, demnach Kindern bis zum 7. Lebensjahr, die Freiheit und Zeit gegeben wird, Wissen aufzunehmen und sich in einer sozialen Gruppe zurechtzufinden. Der Name Waldorf kristallisierte sich heraus als Steiner im Jahr 1919 vom Inhaber der Waldorf-Astoria- Zigarettenfabrik gebeten wurde, eine Art Betriebsschule für die Arbeiterkinder zu gründen und zu leiten. Dort wurde auch das von Steiner eigens entwickelte Schulfach Eurythmie erstmals vorgestellt. Dabei handelt es sich um einen Ausdruckstanz zur Musik, der nach bestimmten Regeln abläuft: demnach gibt es für jeden Ton oder Laut eine bestimmte menschliche Bewegung. Diese Kombination aus akustischen Reizen und körperlicher Umsetzung sollte sich nach Steiners Theorie positiv auf die Ausdrucksfähigkeit der Kinder auswirken.

Die Inhalte

Ein wichtiges Element ist die Natur, mit der Kinder im Walddorfkindergarten bewusst und regelmäßig konfrontiert werden. Sie lernen den Rhythmus der Jahreszeiten kennen, indem sie sich intensiv damit auseinandersetzen. Vor allem in der Praxis, durch Waldspaziergänge und Ausflüge. Rhythmus spielt auch eine wichtige Rolle: in den meisten Waldorfkindergärten hat jeder Tag eine bestimmte Bedeutung oder einen festen Programmpunkt, der immer wieder kehrt. Für die Kinder bringen solch vertraute Abläufe Halt und Sicherheit mit sich. Auch der Lesestoff im Waldorf Kindergarten orientiert sich an den Jahreszeiten und den jeweiligen Festen. So werden Weihnachtsgeschichten auch nur in der Winterzeit vorgelesen und Urlaubsgeschichten im Sommer.

Das Grundprinzip Nachahmung

Sowohl im Waldorf-Kindergarten als auch in der Waldorf Schule ist das Grundprinzip der Nachahmung ein zentrales Element. Kinder ahmen von Natur aus Dinge nach, sei es in Bezug auf Sprache oder dem Kopieren von Tätigkeiten. In der Waldorf Pädagogik lässt man dem Kind bewusst viel Freiraum bei dieser Tätigkeit. Denn damit geht nicht nur ein Lernprozess in Bezug auf die Anhäufung von Wissen einher, sondern auch die Gefühlswelt der Kleinen wird geprägt. Ganz spielerisch können Mitgefühl, Bedauern, aber auch Freude ausgedrückt werden. Das wiederum ist die Grundlage für ein eigenverantwortliches Individuum, das nach moralischen Grundlagen sein Handeln ausrichtet.

Das Spiel

Im Walldorfkindergarten hat man eine eigene Auffassung davon wie das Spiel der Kinder verlaufen soll. Diese ist geprägt von viel Freiheit im räumlichen Sinn einerseits und inhaltlicher Ungebundenheit andererseits. Jedes Kind soll sich im ungezwungenen Spiel frei entfalten können: ganz nach seinen eigenen Vorlieben und nach seinem eigenen Tempo. Das Spielzeug im Waldorfkindergarten ist so geschaffen, dass es die Kinder möglichst wenig in eine bestimmte Richtung beeinflusst. Die Kinder sind frei darin, ihr Spielzeug auszuwählen und ihr Spiel damit zu gestalten. So dürfen Steine oder Kastanien gerne einmal zweckentfremdet werden, indem sie im Kaufladen die Äpfel ersetzen. Der Phantasie der Kinder werden in der Waldorfpaedagogik keine Grenzen gesetzt. Modernere Spielzeuge aus Plastik sind jedoch im Waldorfkindergarten nicht so gerne gesehen.